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Posts Tagged ‘Naturwissenschaft’

Ich bin auf ein Bild gestoßen angefertigt von einer Künstlerin, deren Werkschaffen ich schon Jahre via deviantART verfolge, das seinen Weg durch einige homepages gefunden hat.

Glücklicherweise erzählt sie diesen Weg in ihrem immer wieder aktualisierten Kommentar nach: Das Bild und der Kommentar

Ich gebe hier mal die Kurzfassung in deutscher Sprache zum allgemeinen Verständnis wider:

Palnk ist hauptberuflich Zahnärztin. Sie fragte ihr gut bekannte Patienten, ob sie deren aus medizinischen Gründen angefertigten Röntgenaufnahmen für künstlerische Zwecke nutzen dürfte. Die 3 Patienten stimmten zu, worauf hin sie die Aufnahmen nutze um ihre Photoshop-Fähigkeiten zu trainnieren. Das Ergebnis ist dieses Bild.

Dieses wurde von jemandem hergenommen und auf tumblr weiterverbreitet, wo es zu einer großen Diskussion über Sexualität kam.

Danach ladete es mit fremdhinzugefügtem Text auf 9gag. Die Diskussion wurde, dem medium angemessen hier sehr flach und unfreundlich.

Und nun ist es wieder auf tumblr gelandet, wo ihm ein weiterer Text hinzugefügt wurde, der behauptet Alter, Geschlecht und Ethnie der beiden Menschen herausgelesen zu haben. Wie Palnk aber nun hier in ihrem Kommentar feststellt, hat der Verfasser damit aber nicht recht. Davon abgesehen, dass die Hand einer dritten Person gehört.

Ich bringe das alles zu Sprache weil ich einerseits die Künstlerin sehr verehre, andererseits auf verscheidene Dinge aufmerksam machen möchte.

Ist es nicht erstaunlich welche Wege und welche Wandlungen Bilder im Internet durchlaufen können? Sie lösen dabei produktive Diskussionen aber auch sinn- und zielloses Gehate aus.

Das Bild wurde fremdgenutzt (was grundsätzlich nicht sehr nett ist, ohne ie Urheberin zu fragen) um für Grenzübergreifende Liebe, aber auch für Wissenschaft zu werben. Beide Unternehmungen trafen auf einges an Gegenwehr.

Sowohl den Wissenschaften als auch der Kunst bin ich sehr zugetan und ich kann daher grundsätzlich beide Ansätze verstehen. Dass das Bild zu wirklich menschenverachtetnden Kommentaren geführt hat, bedauere ich allerdings sehr. Ich bin gespannt wohin der Weg dieses Bildes noch führen wird.

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Ein Referat über Dürrenmatts Büchnerpreisrede von 1986

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Friedrich Dürrenmatt geht in seiner Büchnerpreisrede von 1986 verstärkt auf den Wissenschaftler, Georg Büchner, ein. Er beleuchtet vor allem Büchners Naturwissenschaftliche Arbeiten.

Dürrenmatt beginnt mit der These, Büchner habe alles, was er getan habe, aus Leidenschaft getan, aber vorgegeben, es zu dem Zweck des Geldverdienens zu tun. Dass Büchner die Not hatte, Geld zu verdienen, spricht er ihm dabei nicht ab. Er führt hier den Brief von Büchner an Gutzkow aus dem Juni des Jahres 1836 von Straßburg nach Frankfurt am Main an, in dem Büchner berichtet, die Arbeit an einer vorbereitenden Schrift für eine Vorlesung über die deutsche Philosophie seit Cartesius, käme ihm wie der Aufenthalt in einem Gefängnis vor. Dürrenmatt vermutet, dass Büchner sich hierbei nicht nur auf die Vorlesung vorbereitet hat, sondern dass er versuchte zu prüfen in wie weit die Mathematik geeignet sei, die Metaphysik zu erforschen.

Zu Cartesius hatte Büchner bemerkt, „Gott sei es, der den Abgrund zwischen Denken und Erkennen, zwischen Subjekt und Objekt ausfülle, […] dem Selbstbewusstsein, gewissem Denken und der Außenwelt.“

Den Spinozismus bezeichnete er als Enthusiasmus der Mathematik, erst in ihm gelange die cartesianische Methode der Demonstration zu ihrer völligen Konsequenz. Deren beider Metaphysik war von Kant zertrümmert worden. Kant trennte die Naturwissenschaften von der Philosophie, Mathematik erklärte er ausschließlich für die Erfahrung brauchbar, aber die Metaphysik unbrauchbar. Er teilte die Welt in einen beweisbaren und einen unbeweisbaren Teil, die Frage nach Gott, Seele, Freiheit und Unsterblichkeit ordnete er dem unbeweisbaren Teil zu. So trennte er auch die Philosophie von der Metaphysik und nahm so der Philosophie einen großen Teil ihrer Bedeutung, verstärkt dadurch, dass Kant die reine Vernunft unter das Primat der praktischen Vernunft stellte. Dürrenmatt erklärt, das radikal Böse im Menschen zwänge diesen, würde er sich der praktischen Vernunft unterwerfen, entgegen seiner Neigungen zu handeln. Diese Ansicht Kants empörte Goethe. Damit diktiere die Vernunft eine Pflicht, der sich ein mündiger Mensch zu unterziehen habe. Sie ersetzt die Metaphysik durch ein Regelwerk sittlicher Postulate. Sie hätte bei ihrem Erscheinen, so beleuchtet Dürrenmatt, all jene empört, die zum Schein glaubten, jene, die in ihrem Glauben gefestigt gewesen wären, hätten nicht von ihr erschüttert werden können, da sie für ihren Glauben keinen Beweis gebraucht hätten. Die von Kant aufgeworfenen Probleme wären von den auf ihn folgenden Philosophen umgangen worden, da sie diese nicht hätten lösen können. Büchners Welt war geprägt von diesen Philosophen: Hegel, Fichte und Schopenhauer. Jedoch kam Büchner nie dazu, die ihm vorangegangene philosophische Epoche darzustellen. Stattdessen promovierte er über das Nervensystem der Barbe, eines Fisches, der in Straßburg häufig und für ihn erschwinglich war. Büchner musste sich statt mit der Philosophie mit der Naturwissenschaft beschäftigen. Dabei stellte er bei der Beschäftigung mit den Schädelnerven zwei Grundansichten fest: „Die erste […] betrachte alle Erscheinungen des organischen Lebens vom theologischen Standpunkt aus; sie findet die Lösung des Rätsels in dem Zweck.“ Der Schädel sei also eine Vorrichtung, die dazu gemacht wäre, das Gehirn in seinem Inneren zu schützen. Was allerdings die Frage nach dem Zweck des Zwecks aufwerfe. „Aber die Natur handle nicht nach Zwecken, sondern sei in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug.“ Das Gesetz der sich selbst begründenden Form zu suchen, sei das Ziel der Ansicht, die in Deutschland vorherrscht. Das körperliche Dasein eines Individuums sei die Manifestation eines Urgesetzes, eines Gesetzes der Schönheit, das eine Art optimierte Idealform darstelle. Die Suche nach einem solchen Gesetz führe zu den zwei von Büchner angenommenen Quellen der Erkenntnis, der Mystik und der Dogmen der Vernunftphilosophen. Diese Dogmen waren jedoch bis Büchner nicht mit den Naturwissenschaften vereinbar. Die Philosophie sei noch weit vom Leben, der Natur entfernt und Büchner zweifelte daran, ob diese Distanz je überwunden werden könne.

Dürrenmatt geht noch auf zwei weitere Stellen in Büchners Schriften ein: Büchner meine erstens, die Sinnesorgane gingen aus modifizierten Nerven hervor, und zweitens, dass es ergiebiger wäre, sich einfacheren Lebensformen zuzuwenden, weil sich bei ihnen das Ursprünglichste, Notwendigste zeige, im Gegensatz zum verkomplizierten Menschen.

Büchner nenne seine Grundansicht in dieser Arbeit eine philosophische, was den Schluss nahe lege, durch diese Arbeit ließe sich auf Büchners eigene Philosophie schließen. Verwunderlich ist es dann, dass er die Methode, in der Schönheit den Grund der so realisierten Existenz zu suchen, die Deutsche nennt. Damit wendet er sich gegen Kant und seine Nachfolger, weil nach Kant der Zweck einer Sache keine Kategorie des reinen Verstandes ist und damit nicht zur Erkenntnis führen kann. Vielmehr sei das Vorhandensein eines Zwecks nur ein Eindruck, der durch die gegenseitige Begründung von Teil und Ganzem entstünde. Die Philosophen nach Kant allerdings fragten mit dem Zweck auch nach dem Sinn, den Kant zu einer Sache der praktischen Vernunft, also etwas subjektivem, gemacht hatte. Zweck und Sinn wird bei Kant durch den Willen gesetzt. Die Philosophen nach Kant werten diesen Sinn wieder als etwas Objektives, etwas, auf das sich alles hin entwickelt, was mit der unberechenbaren menschlichen Natur und Gesellschaft nicht zu vereinbaren wäre, wertet Dürrenmatt. Marx sehe in diesem Zweck das „naturgesetzliche Hinwälzen auf die klassen- und staatslose Gesellschaft“, die er mit der Freiheit des Menschen verbindet. Büchner hätte nach dessen Ziel gefragt, „nach dem Sinn dieses Sinns“. Dürrenmatt bezeichnet Büchner als Rebellen, Marx als Revolutionär. Büchner hätte sich über die Zustände empört, hätte den Menschen an sich selbst scheitern sehen. Büchner, als Realist, sah im Konflikt Arm gegen Reich das einzig relevante revolutionäre Potential.

Büchner stünde als Naturwissenschaftler in der Tradition Goethes, der die Ansicht vertrat, dass die Annahme, ein lebendiges Wesen und seine Gestalt wäre nach einem bestimmten Zweck gestaltet, trivial sei und darauf zurückzuführen wäre, dass der Mensch dazu neige, Dinge auf dieser Erde unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu betrachten. Um genauer zu sein, um deren Nützlichkeit für den Menschen.

Dürrenmatt stellt die Frage, ob der Mensch die Urkraft mehr respektieren würde, „wenn er selbst ihre Kraft bedingt annehme und einsehen lerne, dass sie ebenso gut von außen als nach außen, von innen als nach innen bilde?“ Am Beispiel der Beziehung zwischen Fisch und Wasser erläutert er, dass nicht nur eine lokale sondern auch eine kausale Beziehung besteht. Wasser wäre also nicht nur als Bedingung für die Existenz eines Fisches zu beurteilen, sondern auch als Bedingung für seine Entstehung. Diese Überlegung, die auch Büchner anstellt, könne noch als philosophisches Gedankengut gesehen werden, meint Dürrenmatt, weil sie eine Urgestalt voraussetze und die Frage nach Zweck und Wirkung einen Urgrund. Diesen Urgrund definierte man vor Kant als Gott, seit Kant hatte sich die Wissenschaft um den Urgrund nicht mehr zu kümmern. Einige, wie Büchner, wagten trotzdem, sich damit auseinander zu setzen, bevor man auf die Evolution stieß. Danach war die Sache der Gründe eine Sache der Wissenschaften.

So stelle sich der Mensch selbst, so Dürrenmatt.

Die Wissenschaft verändere jetzt so die Welt, wie Marx es vorher der Philosophie zuschrieb. Die Wissenschaft überprüfe ihre Interpretation immer wieder an der Wirklichkeit und gelange so zu immer neuen Interpretationen. So schreite sie von Irrtum zu Irrtum fort, sie erobere Gebiete, die ihr von Kant abgesprochen worden waren, weil er die menschliche Vorstellungskraft unterschätzt hätte. Sie greife heute Fragen auf, die sich früher nur die Metaphysik gestellt hätte.

Kant unterteilte in eine wissenschaftliche und eine literarische Kultur.

Die wissenschaftliche steigere das Nichts-Wissen durch ihr Streben nach Wissen, während die literarische zwei Möglichkeiten habe. Wenn sie sich für Philosophie halte, ließe sie sich – und das sei das zielführenste an ihr – zur Begründung von Machtstrukturen verwenden, wenn sie Literatur sei, wäre sie völlig wirkungslos geworden, wenn man von Moden absieht, deren Bedeutung für Dürrenmatt zweifelhaft ist. Diese Überflüssigkeit der Literatur sei ihre einzige Berechtigung zur Existenz und dies sei die erhabenste. Dürrenmatt vergleicht die literarische Kultur mit der Einstellung Sokrates‘ und die wissenschaftliche mit Platons Versuch, in die Welt der Ideen einzudringen. Dürrenmatt lässt Sokrates über die Entwicklung stirnrunzeln, die Menschheit habe „statt einer immer sichereren eine immer katasrophenanfälligere Welt aufgebaut“ und kopfschütteln darüber, dass sich die Menschheit dem Wissen, nichts zu wissen, nicht gewachsen gezeigt hätte und die Freiheit missbraucht hätte, wo sie frei wäre. Dürrenmatt lässt Sokrates schließen, dass die Menschen die praktische Unvernunft genutzt hätten.

Dürrenmatt sieht 150 Jahre zurück und beschreibt eine Welt, in der ein wissenschaftliches, technisches Zeitalter anbricht und in ihr Georg Büchner: Emigrant, Rebell, Autor, noch unentdeckt als dramatischer Revolutionär, überzeugt vom „grässlichen Fatalismus der Geschichte“, von der „entsetzlichen Gleichheit der Menschennatur“ , der „unabwendbaren Gewalt der menschlichen Verhältnisse“, tags – auf der Suche nach den Gesetz der Schönheit – Wissenschaftler, Philosoph, nachts – am Woyzeck schreibend – revolutionärer Dramatiker.

Dürrenmatt stellt seinen eigenen Worten einen Auszug der Szene 7 Der Hof des Professors aus Woyzeck nach und zeigt damit auf den Beginn des aufkommenden Wissenschaftszeitalters und seine Wirkung auf den Menschen.

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Friedrich Dürrenmatt geht in seiner Büchnerpreisrede von 1986 verstärkt auf den Wissenschaftler, Georg Büchner, ein. Er beleuchtet vor allem Büchners Naturwissenschaftliche Arbeiten.

Dürrenmatt beginnt mit der These, Büchner habe alles, was er getan habe, aus Leidenschaft getan, aber vorgegeben, es zu dem Zweck des Geldverdienens zu tun. Dass Büchner die Not hatte, Geld zu verdienen, spricht er ihm dabei nicht ab. Er führt hier den Brief von Büchner an Gutzkow aus dem Juni des Jahres 1836 von Straßburg nach Frankfurt am Main an, in dem Büchner berichtet, die Arbeit an einer vorbereitenden Schrift für eine Vorlesung über die deutsche Philosophie seit Cartesius, käme ihm wie der Aufenthalt in einem Gefängnis vor. Dürrenmatt vermutet, dass Büchner sich hierbei nicht nur auf die Vorlesung vorbereitet hat, sondern dass er versuchte zu prüfen in wie weit die Mathematik geeignet sei, die Metaphysik zu erforschen.

Zu Cartesius hatte Büchner bemerkt, „Gott sei es, der den Abgrund zwischen Denken und Erkennen, zwischen Subjekt und Objekt ausfülle, […] dem Selbstbewusstsein, gewissem Denken und der Außenwelt.“

Den Spinozismus bezeichnete er als Enthusiasmus der Mathematik, erst in ihm gelange die cartesianische Methode der Demonstration zu ihrer völligen Konsequenz. Deren beider Metaphysik war von Kant zertrümmert worden. Kant trennte die Naturwissenschaften von der Philosophie, Mathematik erklärte er ausschließlich für die Erfahrung brauchbar, aber die Metaphysik unbrauchbar. Er teilte die Welt in einen beweisbaren und einen unbeweisbaren Teil, die Frage nach Gott, Seele, Freiheit und Unsterblichkeit ordnete er dem unbeweisbaren Teil zu. So trennte er auch die Philosophie von der Metaphysik und nahm so der Philosophie einen großen Teil ihrer Bedeutung, verstärkt dadurch, dass Kant die reine Vernunft unter das Primat der praktischen Vernunft stellte. Dürrenmatt erklärt, das radikal Böse im Menschen zwänge diesen, würde er sich der praktischen Vernunft unterwerfen, entgegen seiner Neigungen zu handeln. Diese Ansicht Kants empörte Goethe. Damit diktiere die Vernunft eine Pflicht, der sich ein mündiger Mensch zu unterziehen habe. Sie ersetzt die Metaphysik durch ein Regelwerk sittlicher Postulate. Sie hätte bei ihrem Erscheinen, so beleuchtet Dürrenmatt, all jene empört, die zum Schein glaubten, jene, die in ihrem Glauben gefestigt gewesen wären, hätten nicht von ihr erschüttert werden können, da sie für ihren Glauben keinen Beweis gebraucht hätten. Die von Kant aufgeworfenen Probleme wären von den auf ihn folgenden Philosophen umgangen worden, da sie diese nicht hätten lösen können. Büchners Welt war geprägt von diesen Philosophen: Hegel, Fichte und Schopenhauer. Jedoch kam Büchner nie dazu, die ihm vorangegangene philosophische Epoche darzustellen. Stattdessen promovierte er über das Nervensystem der Barbe, eines Fisches, der in Straßburg häufig und für ihn erschwinglich war. Büchner musste sich statt mit der Philosophie mit der Naturwissenschaft beschäftigen. Dabei stellte er bei der Beschäftigung mit den Schädelnerven zwei Grundansichten fest: „Die erste […] betrachte alle Erscheinungen des organischen Lebens vom theologischen Standpunkt aus; sie findet die Lösung des Rätsels in dem Zweck.“ Der Schädel sei also eine Vorrichtung, die dazu gemacht wäre, das Gehirn in seinem Inneren zu schützen. Was allerdings die Frage nach dem Zweck des Zwecks aufwerfe. „Aber die Natur handle nicht nach Zwecken, sondern sei in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug.“ Das Gesetz der sich selbst begründenden Form zu suchen, sei das Ziel der Ansicht, die in Deutschland vorherrscht. Das körperliche Dasein eines Individuums sei die Manifestation eines Urgesetzes, eines Gesetzes der Schönheit, das eine Art optimierte Idealform darstelle. Die Suche nach einem solchen Gesetz führe zu den zwei von Büchner angenommenen Quellen der Erkenntnis, der Mystik und der Dogmen der Vernunftphilosophen. Diese Dogmen waren jedoch bis Büchner nicht mit den Naturwissenschaften vereinbar. Die Philosophie sei noch weit vom Leben, der Natur entfernt und Büchner zweifelte daran, ob diese Distanz je überwunden werden könne.

Dürrenmatt geht noch auf zwei weitere Stellen in Büchners Schriften ein: Büchner meine erstens, die Sinnesorgane gingen aus modifizierten Nerven hervor, und zweitens, dass es ergiebiger wäre, sich einfacheren Lebensformen zuzuwenden, weil sich bei ihnen das Ursprünglichste, Notwendigste zeige, im Gegensatz zum verkomplizierten Menschen.

Büchner nenne seine Grundansicht in dieser Arbeit eine philosophische, was den Schluss nahe lege, durch diese Arbeit ließe sich auf Büchners eigene Philosophie schließen. Verwunderlich ist es dann, dass er die Methode, in der Schönheit den Grund der so realisierten Existenz zu suchen, die Deutsche nennt. Damit wendet er sich gegen Kant und seine Nachfolger, weil nach Kant der Zweck einer Sache keine Kategorie des reinen Verstandes ist und damit nicht zur Erkenntnis führen kann. Vielmehr sei das Vorhandensein eines Zwecks nur ein Eindruck, der durch die gegenseitige Begründung von Teil und Ganzem entstünde. Die Philosophen nach Kant allerdings fragten mit dem Zweck auch nach dem Sinn, den Kant zu einer Sache der praktischen Vernunft, also etwas subjektivem, gemacht hatte. Zweck und Sinn wird bei Kant durch den Willen gesetzt. Die Philosophen nach Kant werten diesen Sinn wieder als etwas Objektives, etwas, auf das sich alles hin entwickelt, was mit der unberechenbaren menschlichen Natur und Gesellschaft nicht zu vereinbaren wäre, wertet Dürrenmatt. Marx sehe in diesem Zweck das „naturgesetzliche Hinwälzen auf die klassen- und staatslose Gesellschaft“, die er mit der Freiheit des Menschen verbindet. Büchner hätte nach dessen Ziel gefragt, „nach dem Sinn dieses Sinns“. Dürrenmatt bezeichnet Büchner als Rebellen, Marx als Revolutionär. Büchner hätte sich über die Zustände empört, hätte den Menschen an sich selbst scheitern sehen. Büchner, als Realist, sah im Konflikt Arm gegen Reich das einzig relevante revolutionäre Potential.

Büchner stünde als Naturwissenschaftler in der Tradition Goethes, der die Ansicht vertrat, dass die Annahme, ein lebendiges Wesen und seine Gestalt wäre nach einem bestimmten Zweck gestaltet, trivial sei und darauf zurückzuführen wäre, dass der Mensch dazu neige, Dinge auf dieser Erde unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu betrachten. Um genauer zu sein, um deren Nützlichkeit für den Menschen.

Dürrenmatt stellt die Frage, ob der Mensch die Urkraft mehr respektieren würde, „wenn er selbst ihre Kraft bedingt annehme und einsehen lerne, dass sie ebenso gut von außen als nach außen, von innen als nach innen bilde?“ Am Beispiel der Beziehung zwischen Fisch und Wasser erläutert er, dass nicht nur eine lokale sondern auch eine kausale Beziehung besteht. Wasser wäre also nicht nur als Bedingung für die Existenz eines Fisches zu beurteilen, sondern auch als Bedingung für seine Entstehung. Diese Überlegung, die auch Büchner anstellt, könne noch als philosophisches Gedankengut gesehen werden, meint Dürrenmatt, weil sie eine Urgestalt voraussetze und die Frage nach Zweck und Wirkung einen Urgrund. Diesen Urgrund definierte man vor Kant als Gott, seit Kant hatte sich die Wissenschaft um den Urgrund nicht mehr zu kümmern. Einige, wie Büchner, wagten trotzdem, sich damit auseinander zu setzen, bevor man auf die Evolution stieß. Danach war die Sache der Gründe eine Sache der Wissenschaften.

So stelle sich der Mensch selbst, so Dürrenmatt.

Die Wissenschaft verändere jetzt so die Welt, wie Marx es vorher der Philosophie zuschrieb. Die Wissenschaft überprüfe ihre Interpretation immer wieder an der Wirklichkeit und gelange so zu immer neuen Interpretationen. So schreite sie von Irrtum zu Irrtum fort, sie erobere Gebiete, die ihr von Kant abgesprochen worden waren, weil er die menschliche Vorstellungskraft unterschätzt hätte. Sie greife heute Fragen auf, die sich früher nur die Metaphysik gestellt hätte.

Kant unterteilte in eine wissenschaftliche und eine literarische Kultur.

Die wissenschaftliche steigere das Nichts-Wissen durch ihr Streben nach Wissen, während die literarische zwei Möglichkeiten habe. Wenn sie sich für Philosophie halte, ließe sie sich – und das sei das zielführenste an ihr – zur Begründung von Machtstrukturen verwenden, wenn sie Literatur sei, wäre sie völlig wirkungslos geworden, wenn man von Moden absieht, deren Bedeutung für Dürrenmatt zweifelhaft ist. Diese Überflüssigkeit der Literatur sei ihre einzige Berechtigung zur Existenz und dies sei die erhabenste. Dürrenmatt vergleicht die literarische Kultur mit der Einstellung Sokrates‘ und die wissenschaftliche mit Platons Versuch, in die Welt der Ideen einzudringen. Dürrenmatt lässt Sokrates über die Entwicklung stirnrunzeln, die Menschheit habe „statt einer immer sichereren eine immer katasrophenanfälligere Welt aufgebaut“ und kopfschütteln darüber, dass sich die Menschheit dem Wissen, nichts zu wissen, nicht gewachsen gezeigt hätte und die Freiheit missbraucht hätte, wo sie frei wäre. Dürrenmatt lässt Sokrates schließen, dass die Menschen die praktische Unvernunft genutzt hätten.

Dürrenmatt sieht 150 Jahre zurück und beschreibt eine Welt, in der ein wissenschaftliches, technisches Zeitalter anbricht und in ihr Georg Büchner: Emigrant, Rebell, Autor, noch unentdeckt als dramatischer Revolutionär, überzeugt vom „grässlichen Fatalismus der Geschichte“, von der „entsetzlichen Gleichheit der Menschennatur“ , der „unabwendbaren Gewalt der menschlichen Verhältnisse“, tags – auf der Suche nach den Gesetz der Schönheit – Wissenschaftler, Philosoph, nachts – am Woyzeck schreibend – revolutionärer Dramatiker.

Dürrenmatt stellt seinen eigenen Worten einen Auszug der Szene 7 Der Hof des Professors aus Woyzeck nach und zeigt damit auf den Beginn des aufkommenden Wissenschaftszeitalters und seine Wirkung auf den Menschen.

rg Büchner, ein. Er beleuchtet vor allem Büchners Naturwissenschaftliche Arbeiten.

Dürrenmatt beginnt mit der These, Büchner habe alles, was er getan habe, aus Leidenschaft getan, aber vorgegeben, es zu dem Zweck des Geldverdienens zu tun. Dass Büchner die Not hatte, Geld zu verdienen, spricht er ihm dabei nicht ab. Er führt hier den Brief von Büchner an Gutzkow aus dem Juni des Jahres 1836 von Straßburg nach Frankfurt am Main an, in dem Büchner berichtet, die Arbeit an einer vorbereitenden Schrift für eine Vorlesung über die deutsche Philosophie seit Cartesius, käme ihm wie der Aufenthalt in einem Gefängnis vor. Dürrenmatt vermutet, dass Büchner sich hierbei nicht nur auf die Vorlesung vorbereitet hat, sondern dass er versuchte zu prüfen in wie weit die Mathematik geeignet sei, die Metaphysik zu erforschen.

Zu Cartesius hatte Büchner bemerkt, „Gott sei es, der den Abgrund zwischen Denken und Erkennen, zwischen Subjekt und Objekt ausfülle, […] dem Selbstbewusstsein, gewissem Denken und der Außenwelt.“

Den Spinozismus bezeichnete er als Enthusiasmus der Mathematik, erst in ihm gelange die cartesianische Methode der Demonstration zu ihrer völligen Konsequenz. Deren beider Metaphysik war von Kant zertrümmert worden. Kant trennte die Naturwissenschaften von der Philosophie, Mathematik erklärte er ausschließlich für die Erfahrung brauchbar, aber die Metaphysik unbrauchbar. Er teilte die Welt in einen beweisbaren und einen unbeweisbaren Teil, die Frage nach Gott, Seele, Freiheit und Unsterblichkeit ordnete er dem unbeweisbaren Teil zu. So trennte er auch die Philosophie von der Metaphysik und nahm so der Philosophie einen großen Teil ihrer Bedeutung, verstärkt dadurch, dass Kant die reine Vernunft unter das Primat der praktischen Vernunft stellte. Dürrenmatt erklärt, das radikal Böse im Menschen zwänge diesen, würde er sich der praktischen Vernunft unterwerfen, entgegen seiner Neigungen zu handeln. Diese Ansicht Kants empörte Goethe. Damit diktiere die Vernunft eine Pflicht, der sich ein mündiger Mensch zu unterziehen habe. Sie ersetzt die Metaphysik durch ein Regelwerk sittlicher Postulate. Sie hätte bei ihrem Erscheinen, so beleuchtet Dürrenmatt, all jene empört, die zum Schein glaubten, jene, die in ihrem Glauben gefestigt gewesen wären, hätten nicht von ihr erschüttert werden können, da sie für ihren Glauben keinen Beweis gebraucht hätten. Die von Kant aufgeworfenen Probleme wären von den auf ihn folgenden Philosophen umgangen worden, da sie diese nicht hätten lösen können. Büchners Welt war geprägt von diesen Philosophen: Hegel, Fichte und Schopenhauer. Jedoch kam Büchner nie dazu, die ihm vorangegangene philosophische Epoche darzustellen. Stattdessen promovierte er über das Nervensystem der Barbe, eines Fisches, der in Straßburg häufig und für ihn erschwinglich war. Büchner musste sich statt mit der Philosophie mit der Naturwissenschaft beschäftigen. Dabei stellte er bei der Beschäftigung mit den Schädelnerven zwei Grundansichten fest: „Die erste […] betrachte alle Erscheinungen des organischen Lebens vom theologischen Standpunkt aus; sie findet die Lösung des Rätsels in dem Zweck.“ Der Schädel sei also eine Vorrichtung, die dazu gemacht wäre, das Gehirn in seinem Inneren zu schützen. Was allerdings die Frage nach dem Zweck des Zwecks aufwerfe. „Aber die Natur handle nicht nach Zwecken, sondern sei in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug.“ Das Gesetz der sich selbst begründenden Form zu suchen, sei das Ziel der Ansicht, die in Deutschland vorherrscht. Das körperliche Dasein eines Individuums sei die Manifestation eines Urgesetzes, eines Gesetzes der Schönheit, das eine Art optimierte Idealform darstelle. Die Suche nach einem solchen Gesetz führe zu den zwei von Büchner angenommenen Quellen der Erkenntnis, der Mystik und der Dogmen der Vernunftphilosophen. Diese Dogmen waren jedoch bis Büchner nicht mit den Naturwissenschaften vereinbar. Die Philosophie sei noch weit vom Leben, der Natur entfernt und Büchner zweifelte daran, ob diese Distanz je überwunden werden könne.

Dürrenmatt geht noch auf zwei weitere Stellen in Büchners Schriften ein: Büchner meine erstens, die Sinnesorgane gingen aus modifizierten Nerven hervor, und zweitens, dass es ergiebiger wäre, sich einfacheren Lebensformen zuzuwenden, weil sich bei ihnen das Ursprünglichste, Notwendigste zeige, im Gegensatz zum verkomplizierten Menschen.

Büchner nenne seine Grundansicht in dieser Arbeit eine philosophische, was den Schluss nahe lege, durch diese Arbeit ließe sich auf Büchners eigene Philosophie schließen. Verwunderlich ist es dann, dass er die Methode, in der Schönheit den Grund der so realisierten Existenz zu suchen, die Deutsche nennt. Damit wendet er sich gegen Kant und seine Nachfolger, weil nach Kant der Zweck einer Sache keine Kategorie des reinen Verstandes ist und damit nicht zur Erkenntnis führen kann. Vielmehr sei das Vorhandensein eines Zwecks nur ein Eindruck, der durch die gegenseitige Begründung von Teil und Ganzem entstünde. Die Philosophen nach Kant allerdings fragten mit dem Zweck auch nach dem Sinn, den Kant zu einer Sache der praktischen Vernunft, also etwas subjektivem, gemacht hatte. Zweck und Sinn wird bei Kant durch den Willen gesetzt. Die Philosophen nach Kant werten diesen Sinn wieder als etwas Objektives, etwas, auf das sich alles hin entwickelt, was mit der unberechenbaren menschlichen Natur und Gesellschaft nicht zu vereinbaren wäre, wertet Dürrenmatt. Marx sehe in diesem Zweck das „naturgesetzliche Hinwälzen auf die klassen- und staatslose Gesellschaft“, die er mit der Freiheit des Menschen verbindet. Büchner hätte nach dessen Ziel gefragt, „nach dem Sinn dieses Sinns“. Dürrenmatt bezeichnet Büchner als Rebellen, Marx als Revolutionär. Büchner hätte sich über die Zustände empört, hätte den Menschen an sich selbst scheitern sehen. Büchner, als Realist, sah im Konflikt Arm gegen Reich das einzig relevante revolutionäre Potential.

Büchner stünde als Naturwissenschaftler in der Tradition Goethes, der die Ansicht vertrat, dass die Annahme, ein lebendiges Wesen und seine Gestalt wäre nach einem bestimmten Zweck gestaltet, trivial sei und darauf zurückzuführen wäre, dass der Mensch dazu neige, Dinge auf dieser Erde unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu betrachten. Um genauer zu sein, um deren Nützlichkeit für den Menschen.

Dürrenmatt stellt die Frage, ob der Mensch die Urkraft mehr respektieren würde, „wenn er selbst ihre Kraft bedingt annehme und einsehen lerne, dass sie ebenso gut von außen als nach außen, von innen als nach innen bilde?“ Am Beispiel der Beziehung zwischen Fisch und Wasser erläutert er, dass nicht nur eine lokale sondern auch eine kausale Beziehung besteht. Wasser wäre also nicht nur als Bedingung für die Existenz eines Fisches zu beurteilen, sondern auch als Bedingung für seine Entstehung. Diese Überlegung, die auch Büchner anstellt, könne noch als philosophisches Gedankengut gesehen werden, meint Dürrenmatt, weil sie eine Urgestalt voraussetze und die Frage nach Zweck und Wirkung einen Urgrund. Diesen Urgrund definierte man vor Kant als Gott, seit Kant hatte sich die Wissenschaft um den Urgrund nicht mehr zu kümmern. Einige, wie Büchner, wagten trotzdem, sich damit auseinander zu setzen, bevor man auf die Evolution stieß. Danach war die Sache der Gründe eine Sache der Wissenschaften.

So stelle sich der Mensch selbst, so Dürrenmatt.

Die Wissenschaft verändere jetzt so die Welt, wie Marx es vorher der Philosophie zuschrieb. Die Wissenschaft überprüfe ihre Interpretation immer wieder an der Wirklichkeit und gelange so zu immer neuen Interpretationen. So schreite sie von Irrtum zu Irrtum fort, sie erobere Gebiete, die ihr von Kant abgesprochen worden waren, weil er die menschliche Vorstellungskraft unterschätzt hätte. Sie greife heute Fragen auf, die sich früher nur die Metaphysik gestellt hätte.

Kant unterteilte in eine wissenschaftliche und eine literarische Kultur.

Die wissenschaftliche steigere das Nichts-Wissen durch ihr Streben nach Wissen, während die literarische zwei Möglichkeiten habe. Wenn sie sich für Philosophie halte, ließe sie sich – und das sei das zielführenste an ihr – zur Begründung von Machtstrukturen verwenden, wenn sie Literatur sei, wäre sie völlig wirkungslos geworden, wenn man von Moden absieht, deren Bedeutung für Dürrenmatt zweifelhaft ist. Diese Überflüssigkeit der Literatur sei ihre einzige Berechtigung zur Existenz und dies sei die erhabenste. Dürrenmatt vergleicht die literarische Kultur mit der Einstellung Sokrates‘ und die wissenschaftliche mit Platons Versuch, in die Welt der Ideen einzudringen. Dürrenmatt lässt Sokrates über die Entwicklung stirnrunzeln, die Menschheit habe „statt einer immer sichereren eine immer katasrophenanfälligere Welt aufgebaut“ und kopfschütteln darüber, dass sich die Menschheit dem Wissen, nichts zu wissen, nicht gewachsen gezeigt hätte und die Freiheit missbraucht hätte, wo sie frei wäre. Dürrenmatt lässt Sokrates schließen, dass die Menschen die praktische Unvernunft genutzt hätten.

Dürrenmatt sieht 150 Jahre zurück und beschreibt eine Welt, in der ein wissenschaftliches, technisches Zeitalter anbricht und in ihr Georg Büchner: Emigrant, Rebell, Autor, noch unentdeckt als dramatischer Revolutionär, überzeugt vom „grässlichen Fatalismus der Geschichte“, von der „entsetzlichen Gleichheit der Menschennatur“ , der „unabwendbaren Gewalt der menschlichen Verhältnisse“, tags – auf der Suche nach den Gesetz der Schönheit – Wissenschaftler, Philosoph, nachts – am Woyzeck schreibend – revolutionärer Dramatiker.

Dürrenmatt stellt seinen eigenen Worten einen Auszug der Szene 7 Der Hof des Professors aus Woyzeck nach und zeigt damit auf den Beginn des aufkommenden Wissenschaftszeitalters und seine Wirkung auf den Menschen.

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