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Posts Tagged ‘Bücher’

Ich spiele zur Zeit gleich in zwei Rollenspielgruppen. Nicht das mit Dienstmädchenkostüm im Schlafzimmer, sondern die mit den Würfeln und den Kutten und den Menschenopfern. … Nein im Ernst: Würfel ja, das andere natürlich nicht.

Meine Abenteuer kann man auf meinem anderen Blog Tintentage nachlesen. Dort gibt es sowohl Incharaktergeschichten als auch Diskussionen über Probleme und Schwierigkeiten beim Spielen. Ich schreibe aus einer kulturell weiblich geprägten Sicht, über ein Hobby das noch als prototypisch männlich gesehen wird.

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Ich will heute einmal mit euch teilen, wie meine Mitschriften aussehen können, wenn ich zum Spaß in Vorlesungen gehe.

Also keine Sorge Mama, normalerweise sind meine Mitschriften sehr genau und super zum auf die Prüfung lernen.

Wenn ich aber so wie diestags bei Herrn Professor Jahraus sitze und ihn über Zauberei in der Literatur sprechen höre, spielt mein Geist mit dem Stift und es entstehen wunderliche Mitschriften in meinem Ideenbuch.

Diese Vorlesung muss ich auch leider, schweren Herzens, sehr empfehlen. Denn Herr Jahraus erzählt mit viel Witz und angenehmer Sprache und sinkt dabei nie auf ein unwissenschaftliches Niveau. Man muss nicht immer seiner Meinung sein, er tut sie allerdings eindeutig, aber als solche markiert kund.

Warum habe ich nun darunter zu leiden diese Empfehlung auszusprechen? Der Grund ist schnell gesehen, wirft man einen Blick in den Hörsahl. Er ist bis zum bersten gefüllt, Studenten sitzen auf den Treppen und sogar im Tafelraum, und es wollte seit der ersten Woche nicht leerer werden. Dafür ist die Vorlesung wohl einfach zu unterhaltsam.

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Könntet ihr euch vorstellen, euch im Gemüseladen Bücher und CDs auszuleihen?

Nein?

In den zwanziger und dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts war das durchaus möglich und wurde viel genutzt. Es gab in diesen Jahren mehrere Möglichkeiten an neuen Lesestoff zu kommen (CDs und DVDs gab es ja noch nicht).

Erstens konnte man Bücher kaufen, die kosteten damals so zwischen 5 und 8 Reichsmark.

Dann konnte man sich Bücher in den großen  Buchhändlerischen Leihbüchereien ausleihen. Diese Büchereien waren eine Kombination aus Buchladen und Bücherrei. Man konnte dort im Laden Bücher erwerben oder in den Lesehallen sich Bücher ausleihen. Dafür schloss man ein Abonement ab. Ein Band pro Person kostete zwischen 1,80 und 2,50 Reichsmark Auleihgebür. Außerdem war auf jedem Buch Pfand. Das ist durchaus nicht ganz unsinnig, da z.B. aus Büchern häufig Kupferstiche ausgeschnitten wurden. Man konnte sich immer nur einen Band auf einmal ausleihen und diesen aber täglich (nicht mehrmals täglich) wechseln. Dies war eine Maßnahme gegen die Lesesucht. Die Diskussion, die heute über Videospiele geführt wird, wurde vom 18. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert nämlich übers Lesen geführt.

Wer das Pfand für die Bücher der Buchhändlerischen Leihbüchereien nicht aufbringen konnte (Das Pfand betrug etwa einem Viertel des Arbeitslosengeldes) konnte sich Bücher in sogenannten „Winkelleihbüchereien“ besorgen. Man ging also zum Gemüseladen, zum Frisör, ins Zigarrengeschäft oder zum Milchladen und lieh sich dort Bücher in der kleinen Bibliothek des Ladens aus. Das war ein netter Zuverdienst für den Ladeninhaber, diente aber vor allem der Kundenbindung, da die kleinen Leihbücherreien oft von zentralen Organisationen verwaltet wurden und man diesen Abgaben zu zahlen hatte. Hierzu eine Werbeanzeige solch einer Oranisation in einer damaligen Zeitung:

„Große Nebeneinnahme für Ladeninhaber. Bekannter Verlag richtet in Groß‐Berlin kostenlos Leihbüchereien ein. Kein Kauf der Bücher, da diese Eigentum des Verlags bleiben. Leistungen unerreicht. Hohe Provision“.
Zeitschrift der Leihbücherei, Heft 17,
vom 10. September 1932, S. 1‐2

Dieses Angebot wirkt ungefähr so seriös wie ein heutiges: “ Wollen sie in 3 Stunden 600€ verdienen?“

Die „Winkelbüchereien“ standen in einem schlechten Ruf, da sie nicht wie öffentliche Büchereien (von Bildungsvereinen geführt) einen belehrenden, bildenden und sittenfördernden Bestand hatten.

Besonders stark wurde ihnen vorgeworfen erotisch-pornografische Literatur zu führen. Unter diesem Begriff wurde sowohl Aufklährungsliteratur, hier wurde z.B. über Verhütung informiert und die Abtreibungsdiskussion in den Fokus gestellt, als auch aufwändig gebundene Bildbände mit halbausgezogenen Frauen, naja denen sind die Strümpfe runtergerutscht oder so, man sieht mal mehr als ein Knie, was ja auch schon anstößig war, und Erotikromane, die Geschichten waren hier meist gähnend langweilig, auch hier kam es aus die Bilder an, geführt.

Diese erotisch-pornografische Literatur wurde 1926 durch die Schmutz- und Schundgesetze verboten. Sie waren der Schutz, als Schund wurden zum Beispiel amerikanische Serienhefte bezeichnet. Nun war in der Verfassung der Weimarer Republik aber verankert, dass eine diesartgige Zensur nicht möglich ist. Man stellte das Schmutz- und Schundgestz deswegen unter den Jugendschutz. Besonders im Fokus waren deswegen Milchläden, die oft große Mengen Jugendlicher in sich versammelten. Da Jugendliche zu allen Geschäften frei Zugang hatten, verschwand diese Literatur aus den Regalen der Winkelbibliotheken.

Und landete unter den Ladentischen.

Ein typischer Bewohner der Ladentischschublade war Pitigrilli der Romane wie Die Jungfrau von 18 Karat und Betrüge mich gut geschrieben.

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Ich möchte kurz auf zwei Neuinformationen, die ich heute erhalten habe eingehen, eine scheint mir erwähnenswert auf Grund ihres Nutzens die andere hat mich schlicht erstaunt.

Dass die WM in Südafrika begonnen hat, dürften seit dem Deutschlandspiel gestern auch die Verschlafensten unter uns mitbekommen haben. Und auch heute noch gibt es beim Fußballschauen Integrationsprobleme, nicht zwischen Staatsangehörigkeiten, hier ist gemeinsames Feiern zwar auch wünschenswert, aber ich spreche eher über die immernoch teilweise geschlechterspezivische Ausgrenzung, weiblicher, potentiell fußballbegeisterter aber nicht so -versierter Menschen.

Die gute Nachricht, Mädels, es gibt Hoffnung!

Schaut doch einfach mal in diesen Blog hier, hier können einige Wissenslücken gefüllt werden, hier kann man sich aber auch mal in einem Kommentar Hilfe holen, wenn man mit der speziellen Frage nicht grade den Freund oder Ehemann fragen möchte.

Ich war heute auch im Buchladen, um genauer zu sein im Hugendubel am Münchner Marienplatz. Ich wollte mir, bin ja dank meinem kürzlichen 22werden ein wenig flüssiger als sonst, einige Bücher ansehen. Unter anderem 90 days, one dream von Kristian Schuller (Juror bei gntm5).

90 days - one dream von Kristian Schuller

90 days - one dream

Mir gefällt seine  Art zu arbeiten und die Ideen die er und seine Frau haben sind von so einer verspieltverstörenden Leichtigkeit die mir wie ein Wundernimmerland einfach gut in mein Konzept von Ästhetik passt.

Ich stehe also im Hugendubel und gehe die 6 Stockwerke ab auf der SUche nach verschiedenen Büchern und Autoren, schränke den möglichen Aufenthaltsort des Buches auf drei Regalabteilungen ein und finde es in keinem von ihnen. Am Ende meines Aufenthalts habe ich, dann mal die Frau an der Info gefragt, es ist bereits vergriffen, der Verlag muss sich maßlos verschätzt haben. Bereits als ich „90.. “ gerade so ausgesprochen hatte, sagte sie mir schon, dass alle Ezemplare bereits verkauft wurden, auch die in den anderen Filialen. Und als ich nach hause kam, brachte mich die Neugierde dazu noch fix auf Amazon nachzusehen, da ist es voraussichtlich wieder in 5 bis 6 Tagen zu haben.

Alles was mir da zu sagen bleibt, ist, Herzlichen Glückwunsch, Herr Schuller!

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Ich habe mir beim Wiedereinzug hier in München vorgenommen, meine CDs edlich mal alle einzulesen, wozu haben wir sonst 2 Festplatten am Netzwerk hängen, die für Lagerung von Daten vorgesehen sind. Also sitze ich garde hier und, Wunder oh! Wunder, füttere meinen Laptop mit einer CD nach der nächsten.

Und bei dieser Tätigkeit drängt sich doch die Auseinandersetzung mit dem aktuellen und vor allem mit dem verganenem Selbst auf. Immerhin hat man sich jede CD in einer bestimmten Stimmung und Phase seines Lebens gekauft und mit vielen Lieder verbinden wir bestimmte erinnerungen und Gefühle.

Meine erste CD bekam ich im Kindergarten es war Weil ich ein Mädchen bin von Lucy Lectric. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich damals überhaupt schon ein Gerät besaß, welches CDs abspielen konnte…. Musste also wohl die Anlage meienr ELtern im Wohnzimmer herhalten. Ich gehöre zu den ExessivamStückHörern wenn es mir ein neues Lied oder ein neues Album angetan hat. Wie konnten mich meine Eltern damals nur aushalten?!

Meine ersten Alben bekam ich in der dritten Klasse zum Geburtstag, eines war von Blümchen das andere war 13 von den Ärzten. Beide habe ich einmal gehört und dann für Jahre ins Regal gestellt. Stattdessen habe ich diverse Schlümpfehits wohl rauf und runter gehört. Wieder frage ich mich, wie das Eltern wohl aushalten. Ich fand ja die Schnappiwelle schon schlimm, und das war nur ein Lied, nicht gleich 7 Alben.

Aus meiner wachsenden Anime und Mangafaszination endstand eine CD-Welle von Sailor Moon CDs. Leider waren das nur „bessere“ Bravohits mit einzelnen Liedern, die dann doch tatsächlich etwas mit der Thematik zu tun hatten.  Mehrere Jahre später habe ich mir dann die Orginalsoundtracks auf deutsch und japanisch gekauft. Damals muss ich so 13 gewesen sein.

Gleichzeitig habe ich mein erstes Ärztealbum wieder aus dem Schrank geholt und es um einige Weitere erweitert. Die habe ich niedergehört, bis sie mir, ich muss 16 gewesen sein, alle bis auf 2 abhanden kamen. Falls jemand weiß wem ich sie geliehen habe, ich fände es cool, sie wiederzubekommen. Ordentlich angepunkt hab ich in der Richtung noch einiges queer gehört, NOFX und Greenday zum Beispiel, aber noch einiges mehr, wie ich grade beim einlesen feststelle. Die Gruppe der Ausreißer haben hier Nightwish und Evanescence gebildet, die fand ich beide gut, hade aber irgendwie nur ein Album jeweils. The Rasmus, The Calling und Him schlossen sich hier wohl recht nahtlos an.

Der absolute Modekauf muss das Anastacia Album gewesen sein, das ich hier grade einlese. Ich habe es durchaus ab und an gehört, aber es fällt doch sehr raus. Dann sind da meine beiden Dido Alben no angel und life for rent. Das no angel Album verbinde ich untrennbar mit Im Kreis des Feuers von Marianne Curley. Das Buch wurde mir von Julia geliehen und ich hab es mit der CD zusammen innerhalb von einem halben Tag verschlungen.

Dann habe ich Disneysongs rauf und runtergehört und den CD-Schrank meiner Eltern geplündert, viel Deutschrock gehört und mitgesungen.

Ich bin in der Rockrichtung geblieben und habe viel queergehört und irgendwann bin ich dann im letzten Jahr auf Muse und Imogen Heap gestoßen. Ihr Album Speak for Yourself ist für mich untrennbar mit der Twilightsaga verbunden.

In den Letzten wochen höre ich besonders viele Stücke von Owl City und Kristin Chenoweth, mal sehen ob morgen eine neue CD dazukommt, die Chancen stehen dafür ja ganz gut. 😀 Die Liste ist natürlich bei weitem nicht vollständig. Aber wenn ich alles aufzählen wollte, was ich grade einlese, wären wir ein wenig mit schreiben und lesen beschäftigt. (siehe Tags)

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Die Lösungen des Erzählanfängerätsels.

1. Die Amme hatte die Schuld.

Thomas Mann: Der kleine Herr Friedemann

2. Kaum hatte Filomena zu reden aufgehört, als die Königin wahrnahm, dass außer Dioneo und ihr niemand mehr zu erzählen hatte, und so begann sie heiter:

Giovanni Boccaccio: Der Falke aus der Novellensammlung Das Dekameron

3. Hier meine Tochter? Hier in diesem elenden Wirtshause?

Gotthold Ephraim Lessing: Miss Sara Sampson

4. „Es ist ein eigentümlicher Apparat,“ sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und überblickte mit einer gewissen Bewunderung den ihm doch wohl bekannten Apparat.

Franz Kafka: Die Strafkolonie (Wurde erraten von Jan H.)

5. Es war einmal ein König und eine Königin, die hatten keine Kinder, wünschten sich aber täglich ein Kind. Zu einer Zeit geschah es, die Königin badete, und seufzete, als sie so allein war: „Ach hätte ich doch ein Kind!“

Dörnröschen nach Ludwig Bechstein (Wurde erraten von Eric)

6. Hier war es. Da stand sie. Diese steinernen Löwen, jetzt kopflos, haben sie angeblickt.

Christa Wolf: Kassandra

7. Die Frage, welchen Beruf seine Geschwister als Erwachsene wohl ausüben würden, hätte Jared sofort beantworten können.

Holly Black und Tony DiTerlizzi: Die Spiderwick Geheimnisse

8. Bistritz, 3.Mai. München ab am 1. Mai 8.35 abends. Wien am frühen Morgen des nächsten Tages; sollten eigentlich um 6.46 ankommen, der Zug hatte aber eine Stunde Verspätung.

Bram Stroker: Dracula

9. Aber ich bin doch neugierig, – Herr Müller, was sagen Sie zu dem heutigen Stücke?

Ludwig Tieck: Der gestiefelte Kater

10. Es war in der Zeit zwischen Neujahr und Dreikönigstag.

Ottfried Preußler: Krabat (Wurde erraten von Franzi S. und Jan D.)

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Ein Referat über Dürrenmatts Büchnerpreisrede von 1986

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Friedrich Dürrenmatt geht in seiner Büchnerpreisrede von 1986 verstärkt auf den Wissenschaftler, Georg Büchner, ein. Er beleuchtet vor allem Büchners Naturwissenschaftliche Arbeiten.

Dürrenmatt beginnt mit der These, Büchner habe alles, was er getan habe, aus Leidenschaft getan, aber vorgegeben, es zu dem Zweck des Geldverdienens zu tun. Dass Büchner die Not hatte, Geld zu verdienen, spricht er ihm dabei nicht ab. Er führt hier den Brief von Büchner an Gutzkow aus dem Juni des Jahres 1836 von Straßburg nach Frankfurt am Main an, in dem Büchner berichtet, die Arbeit an einer vorbereitenden Schrift für eine Vorlesung über die deutsche Philosophie seit Cartesius, käme ihm wie der Aufenthalt in einem Gefängnis vor. Dürrenmatt vermutet, dass Büchner sich hierbei nicht nur auf die Vorlesung vorbereitet hat, sondern dass er versuchte zu prüfen in wie weit die Mathematik geeignet sei, die Metaphysik zu erforschen.

Zu Cartesius hatte Büchner bemerkt, „Gott sei es, der den Abgrund zwischen Denken und Erkennen, zwischen Subjekt und Objekt ausfülle, […] dem Selbstbewusstsein, gewissem Denken und der Außenwelt.“

Den Spinozismus bezeichnete er als Enthusiasmus der Mathematik, erst in ihm gelange die cartesianische Methode der Demonstration zu ihrer völligen Konsequenz. Deren beider Metaphysik war von Kant zertrümmert worden. Kant trennte die Naturwissenschaften von der Philosophie, Mathematik erklärte er ausschließlich für die Erfahrung brauchbar, aber die Metaphysik unbrauchbar. Er teilte die Welt in einen beweisbaren und einen unbeweisbaren Teil, die Frage nach Gott, Seele, Freiheit und Unsterblichkeit ordnete er dem unbeweisbaren Teil zu. So trennte er auch die Philosophie von der Metaphysik und nahm so der Philosophie einen großen Teil ihrer Bedeutung, verstärkt dadurch, dass Kant die reine Vernunft unter das Primat der praktischen Vernunft stellte. Dürrenmatt erklärt, das radikal Böse im Menschen zwänge diesen, würde er sich der praktischen Vernunft unterwerfen, entgegen seiner Neigungen zu handeln. Diese Ansicht Kants empörte Goethe. Damit diktiere die Vernunft eine Pflicht, der sich ein mündiger Mensch zu unterziehen habe. Sie ersetzt die Metaphysik durch ein Regelwerk sittlicher Postulate. Sie hätte bei ihrem Erscheinen, so beleuchtet Dürrenmatt, all jene empört, die zum Schein glaubten, jene, die in ihrem Glauben gefestigt gewesen wären, hätten nicht von ihr erschüttert werden können, da sie für ihren Glauben keinen Beweis gebraucht hätten. Die von Kant aufgeworfenen Probleme wären von den auf ihn folgenden Philosophen umgangen worden, da sie diese nicht hätten lösen können. Büchners Welt war geprägt von diesen Philosophen: Hegel, Fichte und Schopenhauer. Jedoch kam Büchner nie dazu, die ihm vorangegangene philosophische Epoche darzustellen. Stattdessen promovierte er über das Nervensystem der Barbe, eines Fisches, der in Straßburg häufig und für ihn erschwinglich war. Büchner musste sich statt mit der Philosophie mit der Naturwissenschaft beschäftigen. Dabei stellte er bei der Beschäftigung mit den Schädelnerven zwei Grundansichten fest: „Die erste […] betrachte alle Erscheinungen des organischen Lebens vom theologischen Standpunkt aus; sie findet die Lösung des Rätsels in dem Zweck.“ Der Schädel sei also eine Vorrichtung, die dazu gemacht wäre, das Gehirn in seinem Inneren zu schützen. Was allerdings die Frage nach dem Zweck des Zwecks aufwerfe. „Aber die Natur handle nicht nach Zwecken, sondern sei in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug.“ Das Gesetz der sich selbst begründenden Form zu suchen, sei das Ziel der Ansicht, die in Deutschland vorherrscht. Das körperliche Dasein eines Individuums sei die Manifestation eines Urgesetzes, eines Gesetzes der Schönheit, das eine Art optimierte Idealform darstelle. Die Suche nach einem solchen Gesetz führe zu den zwei von Büchner angenommenen Quellen der Erkenntnis, der Mystik und der Dogmen der Vernunftphilosophen. Diese Dogmen waren jedoch bis Büchner nicht mit den Naturwissenschaften vereinbar. Die Philosophie sei noch weit vom Leben, der Natur entfernt und Büchner zweifelte daran, ob diese Distanz je überwunden werden könne.

Dürrenmatt geht noch auf zwei weitere Stellen in Büchners Schriften ein: Büchner meine erstens, die Sinnesorgane gingen aus modifizierten Nerven hervor, und zweitens, dass es ergiebiger wäre, sich einfacheren Lebensformen zuzuwenden, weil sich bei ihnen das Ursprünglichste, Notwendigste zeige, im Gegensatz zum verkomplizierten Menschen.

Büchner nenne seine Grundansicht in dieser Arbeit eine philosophische, was den Schluss nahe lege, durch diese Arbeit ließe sich auf Büchners eigene Philosophie schließen. Verwunderlich ist es dann, dass er die Methode, in der Schönheit den Grund der so realisierten Existenz zu suchen, die Deutsche nennt. Damit wendet er sich gegen Kant und seine Nachfolger, weil nach Kant der Zweck einer Sache keine Kategorie des reinen Verstandes ist und damit nicht zur Erkenntnis führen kann. Vielmehr sei das Vorhandensein eines Zwecks nur ein Eindruck, der durch die gegenseitige Begründung von Teil und Ganzem entstünde. Die Philosophen nach Kant allerdings fragten mit dem Zweck auch nach dem Sinn, den Kant zu einer Sache der praktischen Vernunft, also etwas subjektivem, gemacht hatte. Zweck und Sinn wird bei Kant durch den Willen gesetzt. Die Philosophen nach Kant werten diesen Sinn wieder als etwas Objektives, etwas, auf das sich alles hin entwickelt, was mit der unberechenbaren menschlichen Natur und Gesellschaft nicht zu vereinbaren wäre, wertet Dürrenmatt. Marx sehe in diesem Zweck das „naturgesetzliche Hinwälzen auf die klassen- und staatslose Gesellschaft“, die er mit der Freiheit des Menschen verbindet. Büchner hätte nach dessen Ziel gefragt, „nach dem Sinn dieses Sinns“. Dürrenmatt bezeichnet Büchner als Rebellen, Marx als Revolutionär. Büchner hätte sich über die Zustände empört, hätte den Menschen an sich selbst scheitern sehen. Büchner, als Realist, sah im Konflikt Arm gegen Reich das einzig relevante revolutionäre Potential.

Büchner stünde als Naturwissenschaftler in der Tradition Goethes, der die Ansicht vertrat, dass die Annahme, ein lebendiges Wesen und seine Gestalt wäre nach einem bestimmten Zweck gestaltet, trivial sei und darauf zurückzuführen wäre, dass der Mensch dazu neige, Dinge auf dieser Erde unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu betrachten. Um genauer zu sein, um deren Nützlichkeit für den Menschen.

Dürrenmatt stellt die Frage, ob der Mensch die Urkraft mehr respektieren würde, „wenn er selbst ihre Kraft bedingt annehme und einsehen lerne, dass sie ebenso gut von außen als nach außen, von innen als nach innen bilde?“ Am Beispiel der Beziehung zwischen Fisch und Wasser erläutert er, dass nicht nur eine lokale sondern auch eine kausale Beziehung besteht. Wasser wäre also nicht nur als Bedingung für die Existenz eines Fisches zu beurteilen, sondern auch als Bedingung für seine Entstehung. Diese Überlegung, die auch Büchner anstellt, könne noch als philosophisches Gedankengut gesehen werden, meint Dürrenmatt, weil sie eine Urgestalt voraussetze und die Frage nach Zweck und Wirkung einen Urgrund. Diesen Urgrund definierte man vor Kant als Gott, seit Kant hatte sich die Wissenschaft um den Urgrund nicht mehr zu kümmern. Einige, wie Büchner, wagten trotzdem, sich damit auseinander zu setzen, bevor man auf die Evolution stieß. Danach war die Sache der Gründe eine Sache der Wissenschaften.

So stelle sich der Mensch selbst, so Dürrenmatt.

Die Wissenschaft verändere jetzt so die Welt, wie Marx es vorher der Philosophie zuschrieb. Die Wissenschaft überprüfe ihre Interpretation immer wieder an der Wirklichkeit und gelange so zu immer neuen Interpretationen. So schreite sie von Irrtum zu Irrtum fort, sie erobere Gebiete, die ihr von Kant abgesprochen worden waren, weil er die menschliche Vorstellungskraft unterschätzt hätte. Sie greife heute Fragen auf, die sich früher nur die Metaphysik gestellt hätte.

Kant unterteilte in eine wissenschaftliche und eine literarische Kultur.

Die wissenschaftliche steigere das Nichts-Wissen durch ihr Streben nach Wissen, während die literarische zwei Möglichkeiten habe. Wenn sie sich für Philosophie halte, ließe sie sich – und das sei das zielführenste an ihr – zur Begründung von Machtstrukturen verwenden, wenn sie Literatur sei, wäre sie völlig wirkungslos geworden, wenn man von Moden absieht, deren Bedeutung für Dürrenmatt zweifelhaft ist. Diese Überflüssigkeit der Literatur sei ihre einzige Berechtigung zur Existenz und dies sei die erhabenste. Dürrenmatt vergleicht die literarische Kultur mit der Einstellung Sokrates‘ und die wissenschaftliche mit Platons Versuch, in die Welt der Ideen einzudringen. Dürrenmatt lässt Sokrates über die Entwicklung stirnrunzeln, die Menschheit habe „statt einer immer sichereren eine immer katasrophenanfälligere Welt aufgebaut“ und kopfschütteln darüber, dass sich die Menschheit dem Wissen, nichts zu wissen, nicht gewachsen gezeigt hätte und die Freiheit missbraucht hätte, wo sie frei wäre. Dürrenmatt lässt Sokrates schließen, dass die Menschen die praktische Unvernunft genutzt hätten.

Dürrenmatt sieht 150 Jahre zurück und beschreibt eine Welt, in der ein wissenschaftliches, technisches Zeitalter anbricht und in ihr Georg Büchner: Emigrant, Rebell, Autor, noch unentdeckt als dramatischer Revolutionär, überzeugt vom „grässlichen Fatalismus der Geschichte“, von der „entsetzlichen Gleichheit der Menschennatur“ , der „unabwendbaren Gewalt der menschlichen Verhältnisse“, tags – auf der Suche nach den Gesetz der Schönheit – Wissenschaftler, Philosoph, nachts – am Woyzeck schreibend – revolutionärer Dramatiker.

Dürrenmatt stellt seinen eigenen Worten einen Auszug der Szene 7 Der Hof des Professors aus Woyzeck nach und zeigt damit auf den Beginn des aufkommenden Wissenschaftszeitalters und seine Wirkung auf den Menschen.

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Friedrich Dürrenmatt geht in seiner Büchnerpreisrede von 1986 verstärkt auf den Wissenschaftler, Georg Büchner, ein. Er beleuchtet vor allem Büchners Naturwissenschaftliche Arbeiten.

Dürrenmatt beginnt mit der These, Büchner habe alles, was er getan habe, aus Leidenschaft getan, aber vorgegeben, es zu dem Zweck des Geldverdienens zu tun. Dass Büchner die Not hatte, Geld zu verdienen, spricht er ihm dabei nicht ab. Er führt hier den Brief von Büchner an Gutzkow aus dem Juni des Jahres 1836 von Straßburg nach Frankfurt am Main an, in dem Büchner berichtet, die Arbeit an einer vorbereitenden Schrift für eine Vorlesung über die deutsche Philosophie seit Cartesius, käme ihm wie der Aufenthalt in einem Gefängnis vor. Dürrenmatt vermutet, dass Büchner sich hierbei nicht nur auf die Vorlesung vorbereitet hat, sondern dass er versuchte zu prüfen in wie weit die Mathematik geeignet sei, die Metaphysik zu erforschen.

Zu Cartesius hatte Büchner bemerkt, „Gott sei es, der den Abgrund zwischen Denken und Erkennen, zwischen Subjekt und Objekt ausfülle, […] dem Selbstbewusstsein, gewissem Denken und der Außenwelt.“

Den Spinozismus bezeichnete er als Enthusiasmus der Mathematik, erst in ihm gelange die cartesianische Methode der Demonstration zu ihrer völligen Konsequenz. Deren beider Metaphysik war von Kant zertrümmert worden. Kant trennte die Naturwissenschaften von der Philosophie, Mathematik erklärte er ausschließlich für die Erfahrung brauchbar, aber die Metaphysik unbrauchbar. Er teilte die Welt in einen beweisbaren und einen unbeweisbaren Teil, die Frage nach Gott, Seele, Freiheit und Unsterblichkeit ordnete er dem unbeweisbaren Teil zu. So trennte er auch die Philosophie von der Metaphysik und nahm so der Philosophie einen großen Teil ihrer Bedeutung, verstärkt dadurch, dass Kant die reine Vernunft unter das Primat der praktischen Vernunft stellte. Dürrenmatt erklärt, das radikal Böse im Menschen zwänge diesen, würde er sich der praktischen Vernunft unterwerfen, entgegen seiner Neigungen zu handeln. Diese Ansicht Kants empörte Goethe. Damit diktiere die Vernunft eine Pflicht, der sich ein mündiger Mensch zu unterziehen habe. Sie ersetzt die Metaphysik durch ein Regelwerk sittlicher Postulate. Sie hätte bei ihrem Erscheinen, so beleuchtet Dürrenmatt, all jene empört, die zum Schein glaubten, jene, die in ihrem Glauben gefestigt gewesen wären, hätten nicht von ihr erschüttert werden können, da sie für ihren Glauben keinen Beweis gebraucht hätten. Die von Kant aufgeworfenen Probleme wären von den auf ihn folgenden Philosophen umgangen worden, da sie diese nicht hätten lösen können. Büchners Welt war geprägt von diesen Philosophen: Hegel, Fichte und Schopenhauer. Jedoch kam Büchner nie dazu, die ihm vorangegangene philosophische Epoche darzustellen. Stattdessen promovierte er über das Nervensystem der Barbe, eines Fisches, der in Straßburg häufig und für ihn erschwinglich war. Büchner musste sich statt mit der Philosophie mit der Naturwissenschaft beschäftigen. Dabei stellte er bei der Beschäftigung mit den Schädelnerven zwei Grundansichten fest: „Die erste […] betrachte alle Erscheinungen des organischen Lebens vom theologischen Standpunkt aus; sie findet die Lösung des Rätsels in dem Zweck.“ Der Schädel sei also eine Vorrichtung, die dazu gemacht wäre, das Gehirn in seinem Inneren zu schützen. Was allerdings die Frage nach dem Zweck des Zwecks aufwerfe. „Aber die Natur handle nicht nach Zwecken, sondern sei in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug.“ Das Gesetz der sich selbst begründenden Form zu suchen, sei das Ziel der Ansicht, die in Deutschland vorherrscht. Das körperliche Dasein eines Individuums sei die Manifestation eines Urgesetzes, eines Gesetzes der Schönheit, das eine Art optimierte Idealform darstelle. Die Suche nach einem solchen Gesetz führe zu den zwei von Büchner angenommenen Quellen der Erkenntnis, der Mystik und der Dogmen der Vernunftphilosophen. Diese Dogmen waren jedoch bis Büchner nicht mit den Naturwissenschaften vereinbar. Die Philosophie sei noch weit vom Leben, der Natur entfernt und Büchner zweifelte daran, ob diese Distanz je überwunden werden könne.

Dürrenmatt geht noch auf zwei weitere Stellen in Büchners Schriften ein: Büchner meine erstens, die Sinnesorgane gingen aus modifizierten Nerven hervor, und zweitens, dass es ergiebiger wäre, sich einfacheren Lebensformen zuzuwenden, weil sich bei ihnen das Ursprünglichste, Notwendigste zeige, im Gegensatz zum verkomplizierten Menschen.

Büchner nenne seine Grundansicht in dieser Arbeit eine philosophische, was den Schluss nahe lege, durch diese Arbeit ließe sich auf Büchners eigene Philosophie schließen. Verwunderlich ist es dann, dass er die Methode, in der Schönheit den Grund der so realisierten Existenz zu suchen, die Deutsche nennt. Damit wendet er sich gegen Kant und seine Nachfolger, weil nach Kant der Zweck einer Sache keine Kategorie des reinen Verstandes ist und damit nicht zur Erkenntnis führen kann. Vielmehr sei das Vorhandensein eines Zwecks nur ein Eindruck, der durch die gegenseitige Begründung von Teil und Ganzem entstünde. Die Philosophen nach Kant allerdings fragten mit dem Zweck auch nach dem Sinn, den Kant zu einer Sache der praktischen Vernunft, also etwas subjektivem, gemacht hatte. Zweck und Sinn wird bei Kant durch den Willen gesetzt. Die Philosophen nach Kant werten diesen Sinn wieder als etwas Objektives, etwas, auf das sich alles hin entwickelt, was mit der unberechenbaren menschlichen Natur und Gesellschaft nicht zu vereinbaren wäre, wertet Dürrenmatt. Marx sehe in diesem Zweck das „naturgesetzliche Hinwälzen auf die klassen- und staatslose Gesellschaft“, die er mit der Freiheit des Menschen verbindet. Büchner hätte nach dessen Ziel gefragt, „nach dem Sinn dieses Sinns“. Dürrenmatt bezeichnet Büchner als Rebellen, Marx als Revolutionär. Büchner hätte sich über die Zustände empört, hätte den Menschen an sich selbst scheitern sehen. Büchner, als Realist, sah im Konflikt Arm gegen Reich das einzig relevante revolutionäre Potential.

Büchner stünde als Naturwissenschaftler in der Tradition Goethes, der die Ansicht vertrat, dass die Annahme, ein lebendiges Wesen und seine Gestalt wäre nach einem bestimmten Zweck gestaltet, trivial sei und darauf zurückzuführen wäre, dass der Mensch dazu neige, Dinge auf dieser Erde unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu betrachten. Um genauer zu sein, um deren Nützlichkeit für den Menschen.

Dürrenmatt stellt die Frage, ob der Mensch die Urkraft mehr respektieren würde, „wenn er selbst ihre Kraft bedingt annehme und einsehen lerne, dass sie ebenso gut von außen als nach außen, von innen als nach innen bilde?“ Am Beispiel der Beziehung zwischen Fisch und Wasser erläutert er, dass nicht nur eine lokale sondern auch eine kausale Beziehung besteht. Wasser wäre also nicht nur als Bedingung für die Existenz eines Fisches zu beurteilen, sondern auch als Bedingung für seine Entstehung. Diese Überlegung, die auch Büchner anstellt, könne noch als philosophisches Gedankengut gesehen werden, meint Dürrenmatt, weil sie eine Urgestalt voraussetze und die Frage nach Zweck und Wirkung einen Urgrund. Diesen Urgrund definierte man vor Kant als Gott, seit Kant hatte sich die Wissenschaft um den Urgrund nicht mehr zu kümmern. Einige, wie Büchner, wagten trotzdem, sich damit auseinander zu setzen, bevor man auf die Evolution stieß. Danach war die Sache der Gründe eine Sache der Wissenschaften.

So stelle sich der Mensch selbst, so Dürrenmatt.

Die Wissenschaft verändere jetzt so die Welt, wie Marx es vorher der Philosophie zuschrieb. Die Wissenschaft überprüfe ihre Interpretation immer wieder an der Wirklichkeit und gelange so zu immer neuen Interpretationen. So schreite sie von Irrtum zu Irrtum fort, sie erobere Gebiete, die ihr von Kant abgesprochen worden waren, weil er die menschliche Vorstellungskraft unterschätzt hätte. Sie greife heute Fragen auf, die sich früher nur die Metaphysik gestellt hätte.

Kant unterteilte in eine wissenschaftliche und eine literarische Kultur.

Die wissenschaftliche steigere das Nichts-Wissen durch ihr Streben nach Wissen, während die literarische zwei Möglichkeiten habe. Wenn sie sich für Philosophie halte, ließe sie sich – und das sei das zielführenste an ihr – zur Begründung von Machtstrukturen verwenden, wenn sie Literatur sei, wäre sie völlig wirkungslos geworden, wenn man von Moden absieht, deren Bedeutung für Dürrenmatt zweifelhaft ist. Diese Überflüssigkeit der Literatur sei ihre einzige Berechtigung zur Existenz und dies sei die erhabenste. Dürrenmatt vergleicht die literarische Kultur mit der Einstellung Sokrates‘ und die wissenschaftliche mit Platons Versuch, in die Welt der Ideen einzudringen. Dürrenmatt lässt Sokrates über die Entwicklung stirnrunzeln, die Menschheit habe „statt einer immer sichereren eine immer katasrophenanfälligere Welt aufgebaut“ und kopfschütteln darüber, dass sich die Menschheit dem Wissen, nichts zu wissen, nicht gewachsen gezeigt hätte und die Freiheit missbraucht hätte, wo sie frei wäre. Dürrenmatt lässt Sokrates schließen, dass die Menschen die praktische Unvernunft genutzt hätten.

Dürrenmatt sieht 150 Jahre zurück und beschreibt eine Welt, in der ein wissenschaftliches, technisches Zeitalter anbricht und in ihr Georg Büchner: Emigrant, Rebell, Autor, noch unentdeckt als dramatischer Revolutionär, überzeugt vom „grässlichen Fatalismus der Geschichte“, von der „entsetzlichen Gleichheit der Menschennatur“ , der „unabwendbaren Gewalt der menschlichen Verhältnisse“, tags – auf der Suche nach den Gesetz der Schönheit – Wissenschaftler, Philosoph, nachts – am Woyzeck schreibend – revolutionärer Dramatiker.

Dürrenmatt stellt seinen eigenen Worten einen Auszug der Szene 7 Der Hof des Professors aus Woyzeck nach und zeigt damit auf den Beginn des aufkommenden Wissenschaftszeitalters und seine Wirkung auf den Menschen.

rg Büchner, ein. Er beleuchtet vor allem Büchners Naturwissenschaftliche Arbeiten.

Dürrenmatt beginnt mit der These, Büchner habe alles, was er getan habe, aus Leidenschaft getan, aber vorgegeben, es zu dem Zweck des Geldverdienens zu tun. Dass Büchner die Not hatte, Geld zu verdienen, spricht er ihm dabei nicht ab. Er führt hier den Brief von Büchner an Gutzkow aus dem Juni des Jahres 1836 von Straßburg nach Frankfurt am Main an, in dem Büchner berichtet, die Arbeit an einer vorbereitenden Schrift für eine Vorlesung über die deutsche Philosophie seit Cartesius, käme ihm wie der Aufenthalt in einem Gefängnis vor. Dürrenmatt vermutet, dass Büchner sich hierbei nicht nur auf die Vorlesung vorbereitet hat, sondern dass er versuchte zu prüfen in wie weit die Mathematik geeignet sei, die Metaphysik zu erforschen.

Zu Cartesius hatte Büchner bemerkt, „Gott sei es, der den Abgrund zwischen Denken und Erkennen, zwischen Subjekt und Objekt ausfülle, […] dem Selbstbewusstsein, gewissem Denken und der Außenwelt.“

Den Spinozismus bezeichnete er als Enthusiasmus der Mathematik, erst in ihm gelange die cartesianische Methode der Demonstration zu ihrer völligen Konsequenz. Deren beider Metaphysik war von Kant zertrümmert worden. Kant trennte die Naturwissenschaften von der Philosophie, Mathematik erklärte er ausschließlich für die Erfahrung brauchbar, aber die Metaphysik unbrauchbar. Er teilte die Welt in einen beweisbaren und einen unbeweisbaren Teil, die Frage nach Gott, Seele, Freiheit und Unsterblichkeit ordnete er dem unbeweisbaren Teil zu. So trennte er auch die Philosophie von der Metaphysik und nahm so der Philosophie einen großen Teil ihrer Bedeutung, verstärkt dadurch, dass Kant die reine Vernunft unter das Primat der praktischen Vernunft stellte. Dürrenmatt erklärt, das radikal Böse im Menschen zwänge diesen, würde er sich der praktischen Vernunft unterwerfen, entgegen seiner Neigungen zu handeln. Diese Ansicht Kants empörte Goethe. Damit diktiere die Vernunft eine Pflicht, der sich ein mündiger Mensch zu unterziehen habe. Sie ersetzt die Metaphysik durch ein Regelwerk sittlicher Postulate. Sie hätte bei ihrem Erscheinen, so beleuchtet Dürrenmatt, all jene empört, die zum Schein glaubten, jene, die in ihrem Glauben gefestigt gewesen wären, hätten nicht von ihr erschüttert werden können, da sie für ihren Glauben keinen Beweis gebraucht hätten. Die von Kant aufgeworfenen Probleme wären von den auf ihn folgenden Philosophen umgangen worden, da sie diese nicht hätten lösen können. Büchners Welt war geprägt von diesen Philosophen: Hegel, Fichte und Schopenhauer. Jedoch kam Büchner nie dazu, die ihm vorangegangene philosophische Epoche darzustellen. Stattdessen promovierte er über das Nervensystem der Barbe, eines Fisches, der in Straßburg häufig und für ihn erschwinglich war. Büchner musste sich statt mit der Philosophie mit der Naturwissenschaft beschäftigen. Dabei stellte er bei der Beschäftigung mit den Schädelnerven zwei Grundansichten fest: „Die erste […] betrachte alle Erscheinungen des organischen Lebens vom theologischen Standpunkt aus; sie findet die Lösung des Rätsels in dem Zweck.“ Der Schädel sei also eine Vorrichtung, die dazu gemacht wäre, das Gehirn in seinem Inneren zu schützen. Was allerdings die Frage nach dem Zweck des Zwecks aufwerfe. „Aber die Natur handle nicht nach Zwecken, sondern sei in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug.“ Das Gesetz der sich selbst begründenden Form zu suchen, sei das Ziel der Ansicht, die in Deutschland vorherrscht. Das körperliche Dasein eines Individuums sei die Manifestation eines Urgesetzes, eines Gesetzes der Schönheit, das eine Art optimierte Idealform darstelle. Die Suche nach einem solchen Gesetz führe zu den zwei von Büchner angenommenen Quellen der Erkenntnis, der Mystik und der Dogmen der Vernunftphilosophen. Diese Dogmen waren jedoch bis Büchner nicht mit den Naturwissenschaften vereinbar. Die Philosophie sei noch weit vom Leben, der Natur entfernt und Büchner zweifelte daran, ob diese Distanz je überwunden werden könne.

Dürrenmatt geht noch auf zwei weitere Stellen in Büchners Schriften ein: Büchner meine erstens, die Sinnesorgane gingen aus modifizierten Nerven hervor, und zweitens, dass es ergiebiger wäre, sich einfacheren Lebensformen zuzuwenden, weil sich bei ihnen das Ursprünglichste, Notwendigste zeige, im Gegensatz zum verkomplizierten Menschen.

Büchner nenne seine Grundansicht in dieser Arbeit eine philosophische, was den Schluss nahe lege, durch diese Arbeit ließe sich auf Büchners eigene Philosophie schließen. Verwunderlich ist es dann, dass er die Methode, in der Schönheit den Grund der so realisierten Existenz zu suchen, die Deutsche nennt. Damit wendet er sich gegen Kant und seine Nachfolger, weil nach Kant der Zweck einer Sache keine Kategorie des reinen Verstandes ist und damit nicht zur Erkenntnis führen kann. Vielmehr sei das Vorhandensein eines Zwecks nur ein Eindruck, der durch die gegenseitige Begründung von Teil und Ganzem entstünde. Die Philosophen nach Kant allerdings fragten mit dem Zweck auch nach dem Sinn, den Kant zu einer Sache der praktischen Vernunft, also etwas subjektivem, gemacht hatte. Zweck und Sinn wird bei Kant durch den Willen gesetzt. Die Philosophen nach Kant werten diesen Sinn wieder als etwas Objektives, etwas, auf das sich alles hin entwickelt, was mit der unberechenbaren menschlichen Natur und Gesellschaft nicht zu vereinbaren wäre, wertet Dürrenmatt. Marx sehe in diesem Zweck das „naturgesetzliche Hinwälzen auf die klassen- und staatslose Gesellschaft“, die er mit der Freiheit des Menschen verbindet. Büchner hätte nach dessen Ziel gefragt, „nach dem Sinn dieses Sinns“. Dürrenmatt bezeichnet Büchner als Rebellen, Marx als Revolutionär. Büchner hätte sich über die Zustände empört, hätte den Menschen an sich selbst scheitern sehen. Büchner, als Realist, sah im Konflikt Arm gegen Reich das einzig relevante revolutionäre Potential.

Büchner stünde als Naturwissenschaftler in der Tradition Goethes, der die Ansicht vertrat, dass die Annahme, ein lebendiges Wesen und seine Gestalt wäre nach einem bestimmten Zweck gestaltet, trivial sei und darauf zurückzuführen wäre, dass der Mensch dazu neige, Dinge auf dieser Erde unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu betrachten. Um genauer zu sein, um deren Nützlichkeit für den Menschen.

Dürrenmatt stellt die Frage, ob der Mensch die Urkraft mehr respektieren würde, „wenn er selbst ihre Kraft bedingt annehme und einsehen lerne, dass sie ebenso gut von außen als nach außen, von innen als nach innen bilde?“ Am Beispiel der Beziehung zwischen Fisch und Wasser erläutert er, dass nicht nur eine lokale sondern auch eine kausale Beziehung besteht. Wasser wäre also nicht nur als Bedingung für die Existenz eines Fisches zu beurteilen, sondern auch als Bedingung für seine Entstehung. Diese Überlegung, die auch Büchner anstellt, könne noch als philosophisches Gedankengut gesehen werden, meint Dürrenmatt, weil sie eine Urgestalt voraussetze und die Frage nach Zweck und Wirkung einen Urgrund. Diesen Urgrund definierte man vor Kant als Gott, seit Kant hatte sich die Wissenschaft um den Urgrund nicht mehr zu kümmern. Einige, wie Büchner, wagten trotzdem, sich damit auseinander zu setzen, bevor man auf die Evolution stieß. Danach war die Sache der Gründe eine Sache der Wissenschaften.

So stelle sich der Mensch selbst, so Dürrenmatt.

Die Wissenschaft verändere jetzt so die Welt, wie Marx es vorher der Philosophie zuschrieb. Die Wissenschaft überprüfe ihre Interpretation immer wieder an der Wirklichkeit und gelange so zu immer neuen Interpretationen. So schreite sie von Irrtum zu Irrtum fort, sie erobere Gebiete, die ihr von Kant abgesprochen worden waren, weil er die menschliche Vorstellungskraft unterschätzt hätte. Sie greife heute Fragen auf, die sich früher nur die Metaphysik gestellt hätte.

Kant unterteilte in eine wissenschaftliche und eine literarische Kultur.

Die wissenschaftliche steigere das Nichts-Wissen durch ihr Streben nach Wissen, während die literarische zwei Möglichkeiten habe. Wenn sie sich für Philosophie halte, ließe sie sich – und das sei das zielführenste an ihr – zur Begründung von Machtstrukturen verwenden, wenn sie Literatur sei, wäre sie völlig wirkungslos geworden, wenn man von Moden absieht, deren Bedeutung für Dürrenmatt zweifelhaft ist. Diese Überflüssigkeit der Literatur sei ihre einzige Berechtigung zur Existenz und dies sei die erhabenste. Dürrenmatt vergleicht die literarische Kultur mit der Einstellung Sokrates‘ und die wissenschaftliche mit Platons Versuch, in die Welt der Ideen einzudringen. Dürrenmatt lässt Sokrates über die Entwicklung stirnrunzeln, die Menschheit habe „statt einer immer sichereren eine immer katasrophenanfälligere Welt aufgebaut“ und kopfschütteln darüber, dass sich die Menschheit dem Wissen, nichts zu wissen, nicht gewachsen gezeigt hätte und die Freiheit missbraucht hätte, wo sie frei wäre. Dürrenmatt lässt Sokrates schließen, dass die Menschen die praktische Unvernunft genutzt hätten.

Dürrenmatt sieht 150 Jahre zurück und beschreibt eine Welt, in der ein wissenschaftliches, technisches Zeitalter anbricht und in ihr Georg Büchner: Emigrant, Rebell, Autor, noch unentdeckt als dramatischer Revolutionär, überzeugt vom „grässlichen Fatalismus der Geschichte“, von der „entsetzlichen Gleichheit der Menschennatur“ , der „unabwendbaren Gewalt der menschlichen Verhältnisse“, tags – auf der Suche nach den Gesetz der Schönheit – Wissenschaftler, Philosoph, nachts – am Woyzeck schreibend – revolutionärer Dramatiker.

Dürrenmatt stellt seinen eigenen Worten einen Auszug der Szene 7 Der Hof des Professors aus Woyzeck nach und zeigt damit auf den Beginn des aufkommenden Wissenschaftszeitalters und seine Wirkung auf den Menschen.

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