Der Prinz kommt in diesem Drama 157 Mal zum Sprechen, im ersten Aufzug ist er sogar durchgängig auf der Bühne. Er ist also eine der zentralen Rollen des Stücks und ihm kommt auch die Aufgabe zu, Emilia Galotti einzuführen. Die Sprache dieser Figur wird in großen Teilen der Stückes durch Gedankenstriche zerrissen, was seinen Aussagen einen sprunghaften und unverknüpften Charakter verleiht. Über den Verlauf des Dramas sind Phasen der Ausrufe (Seite 12,16)1 und Phasen der Fragen (Seite 45, 58, 74) zu bemerken. Hierzu lässt sich bemerken, dass die Zahl der Frage- und Ausrufezeichen mit der Erregung des Prinzen steigt. Um die Sprache des Prinzen in Emilia Galotti genauer zu beleuchten, habe ich mich entschieden, seine längeren Textpassagen zu untersuchen und gegeneinander zu stellen.
Der Prinz beginnt das Drama mit einem Monolog, der sich durch Halbsätze, Wiederholungen und Ausrufe auszeichnet, er klagt darüber, dass er die Klagen seiner Untertanen zu bearbeiten hat und gerät in einen unausgeglichenen Geisteszustand, als er dabei auf den Namen Emilia trifft. Seine hier durch ihn selbst wiedergegebenen Gedanken sind nur assoziativ verknüpft, auch wird hier keine vollständige Syntax verwendet, was diesen Absatz stark einem Bewusstseinsstrom annähert.
Im dritten Auftritt dieses Aufzugs ist die Syntax des Prinzen vollständiger, die Sätze zusammenhängender, aber auch hier kommt es zu Halbsätzen und Gedankensprüngen. Er verwendet rhetorische Figuren wie Anaphern („Ihr Bild! – mag! – Ihr Bild,“ S.7) und anderen Wiederholungen wie Dreiklängen (ein anderes Bild, das mit anderem Farben, auf einem anderen Grund“, „so leicht, so fröhlich, so ausgelassen.“, „Doch nein; nein nein!“S.7). Diese Monolog wird durch diese Dreiklänge runder, seine Sprache nicht so zerrissen, gleichzeitig erzeugen diese Figuren hier aber auch den Eindruck von Abgeschlossenheit, was sich mit der Aussage der Prinzen deckt, dass er die Liebe zur Gräfin Orsina „nicht wiederfinden“ will. Auch wirkt der Prinz nicht derartig emotional aufgewühlt wie es in anderen Auftritten zu beobachten ist.
Ganz anders ist dies im fünften Auftritt dieses Aufzugs zu sehen, die positive Stimmung des Prinzen, ausgelöst durch den Erhalt des Portraits Emililias spiegelt sich hier auffallend in der Sprache wider. Zu Anfang des Auftritts wird zunächst der Abschluss des letzten Auftritts wiederholt („Soviel er will“ S.7). Der Auftritt wird von Ausrufen dominiert, es gibt nur zwei Aussagen und eine Frage. Auch hier leidet die Syntax unter den schwärmerischen Gedankengängen des Prinzen, es kommt zu Aufzählungen, Dopplungen Wiederholungen und Parallelismen(„Fordre nur! Fordert nur!“, „Dieser Mund! [...] Dieser Mund!“ S.12).
Eine gegensätzliche Stimmung lässt sich im siebten Auftritt beobachten, hier hält der Prinz einen Dialog, es wechseln stetig Fragen und Ausrufe, es entsteht der Eindruck eines Selbstgesprächs. Er spricht in kurzen, einfachen Sätzen und verwendet kaum Parataxen („Es ist ein Gang“ S.19). Hier wirkt der der Prinz unsicher, und bespricht das weitere Vorgehen mit sich selbst. Aus seiner Unsicherheit heraus, begeht er jedoch eine Hamartia.
Nach diesen emotionsgeladenen Momenten, mag es einen fast wundern, dass der Prinz sich in Gegenwart Emilias nicht von seinen Gefühlen fortreißen lässt, wie es ihm bei Betrachtung ihres Bildes oder beim Lesen ihres Vornamens erging. Hier ist die Syntax vollständig, er nutzt aufwändige Satzgefüge und eine wohlgesetzte Sprache, um Emilia die Furcht zu nehmen und sich bei ihr in höfischer Form zu entschuldigen („Und könnt ich schon diesen Zufall, der mir nochmals, ehe alle meine Hoffnung auf ewig verschwindet, – mir nochmals das Glück sie zu sehen und zu sprechen verschafft; könnt ich schon diesen Zufall für den Wink eines günstigen Glückes erklären, – für den wunderbarsten Aufschub meiner endlichen Verurteilung erklären, um nochmals um Gnade flehen zu dürfen: so will ich doch – Beben Sie nicht, mein Fräulein – einzig und allein von Ihrem Blicke abhängen.“ S. 48)
Die Sprache des Prinzen ist stark von seinen Stimmungen und seine Gesprächspartner abhängig. Um die Variation durch Gesprächspartner möglichst auszuschließen, habe ich hauptsächlich Monologe zur Analyse herangezogen.